WALDECK-FRANKENBERG. Uniform und Sportsachen in Männergrößen haben nie gepasst, und die Schuhe hatten schmale Absätze. "Total unbequem", erinnert sich Elke Weber an ihre erste Dienstbekleidung. Die heute 44-Jährige war vor 15 Jahren eine der ersten Frauen bei der Schutzpolizei der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg. 1981 gab es in Hessen die ersten Frauen in dieser Funktion, doch erst 1996 auch in Korbach.
Elke Weber und ihre Kollegin Barbara Merhof (51) sind seitdem im Dienst, machen Schichten, fahren Streife und sind bereit, wenn ein Notruf eingeht. Ob Raubüberfälle, Familienkonflikte, Schlägereien - die beiden haben schon viel erlebt. "Man muss aufpassen, dass man nicht zu routiniert wird", sagt Weber. Häufig seien es banale Situationen, die ausarten. "Du musst immer auf der Hut sein."
Keine Außenseiter
Merhof hatte 1981 ihre zweieinhalbjährige Ausbildung begonnen und war in dem ersten Lehrgang für Frauen. Zunächst war vorgesehen, dass weibliche Beamte der Schutzpolizei nicht bei geschlossenen Einsätzen wie Demonstrationen und Fußballspielen dabei sein durften. Das änderte sich aber schnell. "Wir haben ja genauso viel Geld verdient wie die Männer", berichtet Merhof. "Und wir wollten keine Außenseiter sein." So kam es, dass sie 1984 bei einer Demonstration gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen im Einsatz war.
"Anfangs waren Frauen in Polizeiuniform für manche ältere männliche Kollegen ungewohnt", erinnert sich Weber. Mittlerweile sei es ganz normal, dass die Teams gemischt sind. "Das Klima ist besser, wenn auch Frauen dabei sind", sagt sie. Streife fahren die Beamten immer zu zweit. "Da ergänzen wir uns gut, denn jeder hat seine Stärken", so Weber. Selten seien auch mal zwei Frauen zusammen unterwegs. "Dann kommt es vor, dass die Leute erstaunt gucken und grinsen."
Regelmäßig Schießtraining
Jeder Beamte sei schon mal an seine Grenzen gestoßen. Zum Beispiel Verkehrsunfälle seien oft belastend. "Das betrifft aber immer beide Geschlechter", betont Jenny Feist, seit Oktober neue Leiterin der Kripo. Frauen und Männer haben die gleichen Aufgaben. Sechs Mal pro Jahr steht für alle ein Schießtraining an.
Auf die Frage nach prägenden Erlebnissen im Dienst wissen die Beamtinnen nicht, was sie erzählen sollen, weil sie so viele Erfahrungen gemacht haben. Beim Hessentag in Korbach 1997 waren sie im Einsatz und während der Fußball-WM 2006 in Frankfurt, wo die Menschen bei den Übertragungen der Spiele sehr friedlich gefeiert hätten. "Ich habe gehört, dass der Einsatz beim Skispringen in Willingen immer toll sein soll", sagt Jenny Feist, die zuletzt in Südhessen im Dienst war und sich schon auf das Ereignis im Februar freut.
Frauen bei der Polizei in Waldeck-Frankenberg sind längst nichts Außergewöhnliches mehr, auch wenn sie in der Minderheit sind. Mittlerweile passt auch die Dienstkleidung. Jenny Feist hat sich sogar einen Rock für die Uniform bestellt. Den wird sie sicher nur im Sommer tragen. Denn Nordhessen im Winter ist für sie noch gewöhnungsbedürftig: "Ich friere hier immer."


















